Gebietsfremde Vögel, sogenannte Exoten
Häufig handelt es sich um gängige Heimtiere wie Wellensittiche, Nymphensittiche,
Großpapageien, aber auch Kanarienvögel oder andere Finkenvögel.
In der Regel sind diese Vögel beringt und an menschliche Annäherunggewöhnt.
Sie suchen häufig aktiv Kontakt zum Menschen auf der Suche nach Futter. Solche
Tiere sind in der freien Natur meist nicht überlebensfähig, da das Klima,
Das Futter oder das Biotop ungeeignet sind. Außerdem fallen sie bevorzugt
Fressfeinden zu Opfer. Obwohl sich manche der Kleinvögel Spatzenschwärmen
anzuschließen versuchen, ist ihre Überlebenschance gering einzuschätzen.
Diese exoten sollten eingefangen werden; häufig reicht es aus, einen Käfig
mit Futter auf die Terrasse zu stellen und abzuwarten. Artähnliche Lockvögel
tun ihr Übriges.
Davon unterscheiden muß man Vögel, die sich in Freiheit etabliert haben,
wie Z.B. Halsbandsittiche oder Amazonenpapageien, die in einigen Städten
wild leben und sich vermehren.
Einfache Hilfen:
Adulte (erwachsene) Vögel fliegen oft gegen eine Glasscheibe – man
hört einen dumpfen Knall vom Aufprall. Der Patient liegt dann meist unterhalb
der Aufprallstelle, die man an einigen Federchen, die an der Scheibe kleben, oder
an einem Körperabdruck gut erkennen kann.
Häufig genügt es, verunfallte Vögel in eine Pappschachtel (Luftlöcher
nicht vergessen!) ruhig, warm und dunkel zu legen und einige minuten bis Stunde
abzuwarten. Liegen keine Verletzungen vor, tobt der Vogel bald in seiner Kiste
und kann fliegen gelassen werden. Bei schweren Schäden siehe Kapitel....
Nester: versehentlich beschädigte oder von Unwetter etc heruntergerissenen
Nistgelegenheiten kann man versuchen wieder herzurichten und neu an einem ähnlichen
Standort in der Nähe zu fixieren. Die Bindung der Elterntiere an ihre Brut
ist meist stark genug, dass die Manipulationen hingenommen werden und Eier/Jungvögel
weiterhin versorgt werden.
Juvenile Vögel (Jungtiere) gerade flügge gewordene Jungvögel
von Nesthockern findet man häufig an Stellen, die für sie gefährlich
sind (Straßen, Hauseingänge, Lichtschächte) Diese Vögel sollten
einfach an sichere Plätze gebracht werden, die sich aber in der Nähe
befinden müssen.
Der >Geruch< nach Mensch stört entgegen landläufiger Meinung nicht
die Eltern-Kind-Beziehung, die Anwesenheit von Menschen sehr wohl, daher sollte
man sich entfernen.
Auch versprengten Nestflüchtern kann man das leben erleichtern, wenn man
sie näher an ihre familie heranbringt, wobei man sicherstellen sollte, das
es sich auch um die richtige Familie handelt; fremde Jungtiere werden häufig
nicht angenommen.
Ungünstig sitzende Ästlinge können ebenfalls ins gebüsch oder
auf Äste gesetzt werden, wo sie einen besseren Schutz haben. Ästlinge,
über denen die Fliegen kreisen und vielleicht schon Eier abgelegt haben,
werden von ihren Eltern nicht mehr angenommen.
Ursachen für Probleme adulter Vögel, die Hilfe notwendig machen
Anfliegen an Fensterscheibe
Abdruck an der Scheibe und Federn häufig erkennbar
Symptome: Bewußtseinstrübung- bis Verlust, auf der Seite liegend oder
auf dem Rücken, schwer atmend, Lähmungserscheinungen. Eventueller Blutaustritt
aus Wunden oder Körperöffnunge, besonders am Kopf. Spontaner Kotabsatz
möglich, eventuell Frakturen von Gliedmaßen, im Kopfbereich oder Wirbelsäule.
Kollision mit Fahrzeugen
Fundort auf oder neben der Fahrbahn, Zustand ähnlich wie bei Anflug gegen
die Fensterscheibe. Oft zerzaustes oder gebrochenes Gefieder, lebend werden häufig
nur Großvögel wie Krähen, Eulen und Greife angetroffen.
Verletzungen von Hunden, Katzen, Mardern u.ä.
Die Vögel werden verletzt aufgefunden in Feld, Wald, Garten oder von Hunden
oder Katzen mit nach Hause gebracht. Verletzungen sind kaum sichtbar bis großflächig,
mit oder ohne Frakturen möglich. Federverlust, Blutungen und Bewußtseinsstörungen.
Wichtig: Fleischfresser haben für Vögel gefährliche Mundflora (Pasteurellen);
d.h. auch harmlos aussehende Wunden bedürfen einer tierärztlichen Behandlung
mit Antibiotika, sonst versterben die Patienten schnell an einer schweren Infektion.
Verletzungen durch andere Vögel
Grifftötende Greifvögel und Eulen verursachen zunächste harmlos
aussehende feine äußere Wunden, die aber sehr tief sein können.
Habichte und Falken schlagen ihre Beute mehrfach in der Luft, bringen sie ins
Trudeln bevor sie manövrierunfähig getötet wird. Diese Opfer sehen
sehr gerupft aus. Fundorte solch entkommener Beutetiere sind Garten, Wald, Wiese
und Feld. Die Vögel können sowohl blutende Wunden, Frakturen als auch
innere Verletzungen haben. Ein Tierarzt muß konsultiert werden.
Schußwunden
Angeschossene Vögel findet man in Orten,Ortsrandlagen, an Fischteichen usw.
Betroffene Tiere können offensichtlich schwer verletzt oder auch oberflächlich
unversehrt erscheinen. Geschosse sind häufig nur durch Röntgenaufnahmen
sichtbar.
Fallen
In Fallen verfangen sich Vögel meist mit Kopf, Hals, Flügel oder Beinen.
Die dadurch resultierenden Verletzungen sind schwere Wunden, Frakturen und Gliedmaßenabtrenbnungen.
Netze und Schlingen
Vögel, die sich in so etwas verfangen haben, haben schon eine Weile vergeblich
versucht sich zu befreien und sich damit nur noch mehr verstrickt. Hier können
Körperteile abgeschnürt oder die Haut eingeschnitten sein. Sind Vögel
aus Fallen, Netzen und Schlingen nicht mit einfachen Handgriffen einfach zu befreien,
oder ist es schon ersichtlich, dass sie körperlichen Schaden genommen haben,
kann es besser sein, sie nur grob herauszuschneiden und dann vom Tierarzt entgültig
befreien und versorgen zu lassen.
An Gewässern nehmen Vögel immer wieder Angelhaken mit und ohne Schnur
auf. Entweder man sieht ihn von außen schon oder es hängt das Schnurende
aus dem Schnabel. Nicht daran ziehen, da sich der Angelhaken nur noch tiefer ins
Gewebe gräbt. Er muß vom Tierarzt entfernt und die Wunde versorgt werden.
Eingesperrte Vögel
In Garagen, Gartenhäusern, Dachböden, Keller, Karminschächte usw.
können sich Vögel verflogen haben. Je nach Jahreszeit leiden sie unter
Hitze oder Kälte sowie Hunger und Durst. Zusätzlich geschwächt
sind sie von den Versuchen, sich zu befreien, in dem sie z.B. gegen Fenster anfliegen.
Diese Tiere sind dann oft sehr schmutzig,, schwach, mitgenommen im Gefieder, ausgetrocknet,
hungrig, unterkühlt oder überhitzt. Tiere im guten Zusatnd, die nur
kurz eingesperrt waren, kann man sofort wieder fliegen lassen. Geschwächte
Tiere bedürfen einer umsichtigen Behandlung.
Überhitzung führt zu Hecheln und schnellem Atmen mit geöffneten
Schnabel; die Körpertemperatur steigt, der Vogelkörper trocknet aus.
Die Haut wird faltig, die Augen sinken ein, das Bewußtsein trübt sich
bis schließlich der Tod eintritt.
Kälte schwächt die Vögel, die Bewegungen verlangsamen sich,
der Tierkörper fühlt sich kalt an. Die Vögel zeigen kaum Reflexe
und wenn der Zustand länger so anhält, setzt der Tod ein. Nach und nach
Fundortfotos einfügen
Welche Jungvögel benötigen Hilfe?
Verlassene Tiere
Tatsächlich verlassene Jungvögel aufnehmen, viele erscheinen nur so.
(siehe unter Nestflüchter, Nesthocker, Ästlinge) Keiner zieht die Kleinen
so gut auf wie die eigenen Eltern. Habe ich Zweifel, belasse ich den Jungvogel
dort, wo er ist (setze ihn eventuell geschützter ins Gebüsch), entferne
mich und beobachte aus der ferne oder schaue etwas später noch einmal vorbei.
Überzählige Jungtiere / geschwächte Jungtiere
Besonders Schleiereulen und Turmfalken legen häufig mehr Eier als sie geschlüpfte
Küken ernähren können (als Reserve) oder die Nahrungssituation
verändert sich drastisch während der Brutperiode. Dann werden die stärksten
Jungvögel bevorzugt und die Jungen und Schwachen vernachlässigt und
sogar aus dem Nest geworfen. Manche verlassen es aus Hunger freiwillig. Solche
Tiere zurücksetzen führt nur dazu, dass sie wieder aus dem Nest stürzen
und sich eventuell verletzen. Solche Vögel sollten einem Fachmann zur Aufzucht
übergeben werden.
Lebensschwache, kranke, stark mit Parasiten befallene oder verklammte Jungvögel
aller Arten werden werden von ihren Eltern ebenso entsorgt, sobald sie nicht mehr
lebhaft sind und betteln. Solche Vögel findet man unter der jeweiligen Niststätte.
Sie sind Intensivpfleglinge, die behandelt und großgezogen werden müssen,
sofern sie überhaupt überleben.
Eben flügge Gewordene
Die größte Anzahl hilfsbedürftiger Jungvögel sind die gerade
flügge gewordenen Vögel, die verunfallt sind oder einem Beutegreifer
knapp entronnen sind.
Für sie gilt was für entsprechend verletzte Alttiere gesagt wurde plus
die notwendige Aufzucht und anschließende Auswilderung.
Hilfe ist notwendig – wie fange ich einen Vogel ein?
Erst denken, dann handeln – Stress vermeiden kann lebensrettend für
den Vogel sein!
Kleine, junge Tiere kann man vorsichtig mit der
Hand fangen oder ein leichtes Stück stoff drüberwerfen, z.B. ein Handtuch,
Schal etc. Das hat den Vorteil, das sie erst einmal ruhig darunter sitzen bleiben
und man beim Aufnehmen das gefieder nicht beschädigt.
Bedenke: nur Vögel mit intaktem Gefieder können wieder in die Natur
entlassen werden. Beschädigte Federn wachsen nicht nach, sie müssen
gemausert werden, das kann je nach Art über ein Jahr dauern.
Größere, wehrhafte Vögel können
mit Schnabel, Krallen oder Schwingen ernsthafte Verletzungen verursachen, z.B.
Greifvögel, Eulen, Graureiher, Kormorane, Gänse, Schwäne, Spechte,
große Rabenvögel.
Ambesten schützt man seine Hände mit Handschuhen und Decken, die über
den Patienten geworfen werden. Mitunter reicht auch eine stabile Jacke.
Greifvögel und Eulen können empfindlich beissen und blitzschnell mit
den Fängen schlagen. Schwäne und Gänse beissen und schlagen mit
den Flügeln. Graureiher und Kormorane zielen mit geschlossenem Schnabel ins
Gesicht und direkt in die Augen!
Achtung: auch offensichtlich schwer kranke oder fast tote Vögel können
noch einmal ihre Kräfte mobilisieren und sich erbittert wehren.
Niemals den Vogelkörper zusammendrücken! Vögel haben kein Zwerchfell
und können nicht atmen, wenn die Bewegung des Brustkorbes unterbunden wird.
Die Nasenlöcher freilassen, die Augen aber abdecken, so dass der Vogel ruhiger
wird.
Wildes Herumschlagen mit den Flügeln und beinen durch sicheres Fixieren verhindern,
damit keine weiteren Verletzungen und Gefiederschäden entstehen.
Wichtig ist ein beherztes Handeln, das stressige Verfolgungsjagten vermeidet,
eventuell Hilfe holen!
Bevor ich den Vogel einfange oder währenddessen muß ich mir bereits
Gedanken machen, wie ich ihn transportieren möchte. Vielleicht ist es möglich,
einen Karton oder transportkorb für Kleintiere bereitzustellen oder heranschaffen
zu lassen. Auch hier gilt: jegliche verzögerung ist zu vermeiden, um das
Tier nicht unnötig zu stressen.
Kleine Vögel kann man kurzfristig in einer Pappschachtel unterbringen.
Sie sollte so groß sein, dass der Vogel aufrecht darin stehen, aber nicht
herumflattern kann.
Die Schachtel sollte natürlich luftdurchlässig sein. Der Aufenthaltsort
muß ruhig und nicht zu hell gewählt werden.
Für größere Vögel eignen sich größere Kartons,
z.B. Umzugskartons oder Katzentransportkörbe aus Kunststoff. Diese sind luftdurchlässig,
hygienisch sauber zu halten und mittels einer Decke oder Handtuch abdunkelbar.
Als Bodenbelag eignet sich Zeitungspapier oder Küchenrolle; kann der Vogel
auch sitzen, kann man eine Sitzstange darin befestigen.
Niemals herkömmliche Käfige verwenden!
Darin zerstoßen sich die Vögel das Gefieder und fügen sich Wunden
um den Schnabel herum zu. Schlimmstenfalls ziehen sie sich weitere schwere Verletzungen
zu.
Wichtig: Wildvögel neigen dazu, in Gefangenschaft panisch zu reagieren. Deshalb
unnötiges vermeiden, Ruhe im Umgang, keine lauten Geräusche, keine hektischen
Bewegungen, kein grelles Licht, keine anderen Haustiere, besonders kein Hund und
Katze, und kein Auflauf sämtlicher Nachbarskinder, die nur mal >gucken
kommen wollen<!
Vergiftungen
Auch Wildvögel können sich vergiften, z.B. an ihrerseits vergifteten
Beutetieren wie Mäuse und Ratten oder mit insektiziden behandelte Insekten.
Aber nicht nur die Aufnahme der Gifte durch den Schnabel kann gefährlich
sein, auch können viele Substanzen durch die Haut in den Körper eindringen.
Das geschieht durch Verschmutzung mit Ölen und Farben und auch mit Lösungsmitteln.
In der Regel kennt man das spezifische Gift nicht. Daher ist eine ursächliche
Behandlung oft nicht möglich, sondern nur eine symptomatische. Die Vögel
können apathisch sein, Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Krämpfe zeigen.
Solche Vögel gehören in die Hände eines erfahrenen Tierarztes.
Infektionen
Alle möglichen Infektionen können auch Wildvögel befallen und die
unterschiedlichsten Symptome hervorrufen. Am Zustand des Vogels kann man nicht
sofort auf die Ursache schließen. Aufgefunden werden die tiere meist erst,
wenn die Erkrankung sehr weit fortgeschritten ist.
Eine genaue tierärztliche Diagnose ist für eine Heilung notwendig. Häufig
kommt jegliche Hilfe zuspät.
Unterbringung
Jungvögel von Nesthockern sollte ein Ersatznest angeboten werden. Dazu verwendet
man einen Karton, eine Schüssel oder eine Kleintiertransportkiste. Das Behältnis
muß nicht groß sein, aber leicht zu reinigen. Als Untergrund kann
Küchenrolle oder ein ausgedientes Handtuch verwendet werden. Dann formt man
aus Küchenkrepp eine Nistmulde, in die man die oder das Vogelkind setzt.
Der Rand sollte hoch genug sein, damit die Vögel nicht herausfallen können
und niedrig genug, dass sie ihre Kloake eben über den Rand heben können
um abzukoten.
Dadurch bleibt der Nestinnenraum besser sauber.
Sind die Küken noch nicht befiedert, wird ein leichtes, luftdurchlässiges
Tuch drübergelegt, um das Hudern zu simulieren. Höhlenbrüterjungtiere
sollten sowieso dunkel gehalten werden außerhalb der Fütterung.
Wichtig ist eine durchgängige, angemessene Wärme im Nest, die bei 30-35°
liegen sollte. Bei zunehmender Befiederung wird sie auf Zimmertemperatur abgesenkt.
Stets sollte der Vogel beobachtet werden, ob es ihm zu warm ist (hecheln und der
Versuch, von der Wärmequelle wegzukrabbeln), oder zu kalt, dann wird er ruhig
und klamm und frißt nicht mehr. Die Temperatur sollte man im Nest mit einem
Thermometer überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.
Als Wärmequellen können dienen: kurzfristig Wärmflaschen oder Körnerkissen,
langfristig Wärmematten aus der Terraristik, Rotlichtlampen oder Dunkelstrahler.
Die notwendige Wärme wird im Nestbereich mittels Thermometer eingerichtet;
Je geringer die Entfernung der Wärmequelle, desto wärmer. Diese Heizung
muß 24 Std zur Verfügung stehen, also auch Nachts, da der kleine Vogelkörper
noch keine Wärme speichern oder selber in ausreichendem Maße herstellen
kann.
Der Standort für den Nestersatz sollte sich an einem ruhigen, Zugluftfreien
Ort befinden. Mit zunehmenden Alter wird der Vogel aktiver, sitzt auf seinem Nestrand
und trainiert seine Flügel. Nun benötigt der kleine Gast mehr Raum.
Das kann eine Freiflugvoliere sein, der Wintergarten, das Gartenhäuschen
oder ein ruhiger, heller, wenig benutzter Raum.
Bevor der Vogel umquartiert wird, muß er an die dort herrschenden Temperaturen
gewöhnt sein. Die Räumlichkeiten müssen von potenziellen Gefahrenquellen
befreit werden: Klodeckel zu, Aquarium gut abdecken, Ritzen hinter Schränken
zukleben, usw.
Das Mobilar kann gegen die Verschmutzung mit Malerfolie abgedeckt werden, auch
Küchenkrepp oder Zeitungen kann man benutzen.
Nun kann ein wenig Natur hereingeholt werden, damit der Vogel lernt, was er später
zum Überleben braucht: hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Zweige,
Laub, Grassboden, Steine, Holz und natürlich viel Platz zum Fliegen schaffen
eine abwechslungsreiche Umgebung.
Ist der Vogel komplett flugfähig und futterfest, d.h. er ist in der Lage,
selbständig sein arttypisches Futter erkennen und picken, kann man den Käfig
katzensicher auf den Balkon/Terrasse stellen und öffnen. Meist siegt nach
einiger Zeit die Neugierde und der Vogel fliegt davon. Oftmals kehrt er noch einige
Zeit zurück und nimmt sein gewohntes Futter auf, eventuell übernachtet
er sogar noch für einige Tage in seiner gewohnten Behausung. Eines Tages
wird er ganz ausbleiben und mit ein wenig Glück kann man den Vogel draußen
im Garten beobachten.
Der günstigste Zeitpunkt zum Auswildern ist morgens, bei gutem Wetter
und am besten in Anwesenheit artgleicher Vögel. So kann man hoffen, dass
das Pflegekind Anschluss findet. Problematisch ist, wenn ein Vogel nicht weiß,
dass er ein Vogel und kein Mensch ist. Eine solche Fehlprägung ist zu vermeiden,
am besten durch das Pflegen weitere artgleicher Vögel. Besonders Rabenvögel
neigen dazu, sich sehr eng an den Menschen zu binden, was dem Vogel unmöglich
macht, ein artgerechtes Leben in Freiheit zu führen. Somit sollte der Tier-Mensch-Kontakt
auf das Nötigste beschränkt bleiben – auch wenn das noch so schwer
fällt.
Ziel der Aufzucht von Vogelwaisen muss die Freilassung in die Natur sein.
Fütterung von Nestlingen
Die meisten Körnerfresser ziehen ihre Brut mit Insekten auf. Das heißt,
keine Körner, Brotkrumen oder ähnliches in die gesperrten Schnäbel
stecken! Geeignete Futtertiere sind der Größe der Schnäbel angepasst
– wobei man staunt, welch große Brocken das Vogelkind verschlucken
kann. Fliegenmaden, Mehlwürmer, Pinkies, Buffalos, Zophorbas nur abgebrüht
reichen, sie können sich durch den zarten Vogelleib fressen. Gefrorene Insekten
stets mit einer kleinen Brise Vitamine (Korvimin ZVT oder Orlux Optibreed) überstäuben.
Abwechslung im Futter muß sein, damit der Vogel sich an alles gewöhnt
und Mangelerscheinungen vorgebeugt wird.
Schwächliche Küken können mit folgender Mischung gepäppelt
werden:
5 gefrostete Drohnen,
1-2 Tropfen heißes Wasser,
Vit. B und eine Messerspitze Korvimin ZVT.
Zum Brei verrühren und in eine kleine Einwegspritze füllen. Die Mischung
Tröpfchen für Tröpfchen verfüttern, darauf achten, dass der
Vogel schluckt, sonst besteht Erstickungsgefahr!
Futtertiere werden den Küken am besten mit einer Einwegplastikpinzette (Apotheke)
gereicht, um Verletzungen zu vermeiden.
Kurzfristig kann auch Kanarienaufzuchtfutter gereicht werden. Bei allen Körnerfressern
ist auch ein Handaufzuchtfutter für Papageien möglich: z.B. A19/A21
von Nutribird.
Einige wenige Körnerfresser verzichten bei der Jungenaufzucht nahezu ganz
auf animalische Kost; sie ernähren ihre Jungen fast ausschließlich
vegetarisch. Dazu gehören: Fichtenkreuzschnabel, Girlitz, Bluthänfling
Diese können ein Gemisch erhalten aus:
Geschälte und gequollene/gekochte Sämereien (z.B. Hanf)
Hartgekochtes Eigelb
Fein zerbröselter und angefeuchteter Zwieback
Vitaminmischung
Wenige Insekten wie Blattläuse oder Essigfliegen
Die Küken von Insektenfressern müssen abwechslungsreiche Insektenkost
bekommen, angereichert mit Vitaminen. Auch hier gilt: Maden und Mehlwürmer
müssen abgebrüht werden!
Drosseln und Stare vertragen auch Beoperlen, anfänglich in Wasser gequollen,
sowie Weichfresserfutter und Insekten. Amseln und Drosseln sollte man beizeiten
Regenwürmer mit ein wenig Erde dran reichen.
Zarte, kleine Küken können anfänglich auch mit Nutribird A21 ernährt
werden, diesen Handaufzuchtbrei kann man mit blanchierter Drohnenbrut ergänzen.
Rabenvögel fressen das, was man den erwachsenen Tieren reicht, nur in kleineren
Happen. Hier ist auch ein abwechslungsreicher Speiseplan sehr wichtig, um Mangelerscheinungen
vorzubeugen!
Allgemeines zur Kükenfütterung:
Man darf nicht vergessen, dem Küken ab und an ein paar Tropfen abgekochtes
Wasser in den Schnabel zu geben.
Je kleiner und jünger ein Vogel ist, desto häufiger
muß gefüttert werden!
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, alle ½ Std. wäre optimal.
Das Futter ist stets frisch anzubieten. Hierbei ist auf größte Hygiene
zu achten, genau so streng wie bei der Bereitung von Babykost!
Hat man keines der Futtermittel im Haus, dann bitte nicht mit Brot oder irgend
etwas anderem herumexperimentieren! Lieber nur etwas Flüssigkeit geben, z.B.
Oralpädon aus der Apotheke oder:
1 Tasse lauwarmes, abgekochtes Wasser,
¼ Teelöffel Kochsalz
2 Teelöffel Traubenzucker
Sind die Jungtiere noch wenig befiedert, kann man den Sättigungsgrad am
Kropf erkennen. Erst wenn der Kropf einigermaßen leer ist, (was recht schnell
geht) sollte wieder gefüttert werden – auch wenn der Vogel noch so
bettelt! Hier ist es wichtig, dass der Vogel eine angemessene Portion erhält;
auf keinen Fall so viel füttern, dass der Kropf übermäßig
voll ist.
Mit zunehmendem Alter und Lebhaftigkeit bietet man dem Küken das entsprechende
Erwachsenenfutter zur Aufnahme an. Greift er hier zu, werden die Fütterungen
langsam eingestellt, bis er sich alleine ernähren kann.
Gedeihen die Küken nicht, sollte man den Vogel dem Tierarzt vorstellen. Der
sollte anhand einer Kotprobe nach Parasiten (Würmer, Kokzidien) schauen und
auch einen Rachenabstrich machen. Diese Maßnahme kann lebensrettend sein.
Unterbringung von Nestflüchtern
Die Küken von Nestflüchtern brauchen kein eigentliches Nest, da sie
es kurz nach dem Schlupf verlassen und verhältnismäßig eigenständig
leben. Sie brauchen vor allen dingen viel Platz, eine saugfähige Einstreu
und, bei Wasservögeln, ein Behältnis zum Plantschen. Wichtig ist besonders
die ersten Tage eine Wärmequelle (Kükenlampe), die das Vogelkind nach
Bedarf aufsuchen kann. Die Lampe darf aber nur einen Teil der Behausung erwärmen,
sonst überhitzt sich das Vogelkind.
Küken von Wasservögeln lasst man Anfangs nur unter Aufsicht kurz in
flachem Wasser baden. Das Gefieder fettet erst mit der Zeit ein, bis es soweit
>wasserfest< ist, können die Tiere ertrinken oder verklammen.
Als Aufbewahrungsort eignen sich große Kaninchenkäfige und zum Baden
das Unterteil einer Katzentoilette. Die Küken müssen sehr viel, natürlich
unter Kontrolle, an die frische Luft in Sonne und Licht. Wenn sie älter sind
kann man sie stundenweise in einen Kaninchenauslauf, gesichert mit einem Netz,
in den Garten setzen.
Ernährung von Nestflüchtern
Auch hier unterscheiden wir zwischen Pflanzenfressern und Insektenfressern,
bzw. Fischfressern.
Zu den Pflanzenfressern gehören Gänse - und Hühnervögel. Für
die meisten eignen sich Präparate wie Kükenstarter für Hühnervögel,
ergänzt mit Vitaminen, Grünfutter und Insekten. Diesen Tieren muss meist
nur gezeigt werden, wonach sie picken müssen, das macht man am besten, indem
man mit dem Finger ins Futter klopft.
Wasser sollte stets frisch und sauber zur freien Aufnahme bereitstehen.
Zu den Insektenfressern gehören Flussseeschwalben, Taucherarten, Sägerarten.
Hier bietet man Lebendinsekten an, viele Jungtiere reagieren auf den optischen
Reiz der Bewegung von Futterinsekten. Taucher und Säger bekommen zusätzlich
kleine Fischchen wie Stinte oder Moderlieschen, man alternativ kann auch Fischfilet
(Forelle z.B.) in kleine Stücke schneiden.
Ergänzend kann man diesen Vögeln Pellets für Wasservögel z.B.
Lundi anbieten.
Unterbringung erwachsener Vögel
Adulte Vögel sind an das Leben in freier Natur angepasst, d.h. Gefangenschaft
bedeutet auf jeden Fall Stress und sollte so kurz wie möglich sein. Die Unterbringung
richtet sich nach Größe des Vogels sowie notwendige Manipulationen.
Vögel, die z.B. nur durchmausern müssen oder Fitness nach überstandener
Krankheit wiedererlangen sollen, sind am besten in einer naturnahen, sauberen
Voliere untergebracht. Tiere, die täglich behandelt werden müssen oder
sich nicht viel bewegen dürfen, müssen sich mit wenig Raum zufrieden
geben.
Dabei sind nur glattwandige Behältnisse zu benutzen, handelsübliche
Käfige aller Art sind unbrauchbar, da die Vögel sich am Gitter das Gefieder
beschädigen oder sogar schlimme Verletzungen davontragen können. Gute
Dienste leisten hierfür Kleintiertransportboxen aus Kunststoff oder größere
textile Tiertransportbehälter mit seitlichen Gazefeldern.
Die Einrichtung wird nach der Art der Erkrankung bestimmt. Stets ist Sauberkeit
das oberste Gebot.
Fütterung erwachsener Vögel
Erwachsenen Vögel nehmen i.d.R. das Futter selbständig auf, wenn sie
dazu in der Lage sind. Sehr wichtig ist die Bestimmung der Art, um das richtige
Futter anzubieten.
Am einfachsten sind die
Körnerfresser:
Buchfink, Bergfink, Birkenzeisig, Bluthänfling, Erlenzeisig, Sperlinge, Kreuzschnäbel,
Dompfaff, Girlitz, Goldammer, Stieglitz, Grünfink u.a. Man erkennt dies Vögel
am kurzen, breiten und kräftigen kegelförmigen Schnabel (mit Ausnahme
des Kreuzschnabels, wie der Name schon sagt). Angeboten werden kann: Exotenfutter,
Kanariensaat, Wellensittichfutter. Für größere Arten kann man
Papageienfutter oder Taubenfutter reichen, zur Not Sonneblumenkerne oder Winterstreufutter.
Im gut sortierten Zoofachhandel gibt es für die einzelnen Waldvogelarten
die richtige Futtermischung zu kaufen. Wichtig ist auch Grünfutter: Vogelmiere,
Löwenzahn, Hirtentäschelkraut, Obstbaumknospen (ungespritzt!), Zweige
mit Blättern oder Knospen von Buche, Hasel, Birken, Gurke, Äpfel, Birnen,
Trauben. Vogelgritt erleichtert die Verdauung des Körnerfutters. Zusätzlich
hat sich das Anbieten eines Waldvogel-Eifutters (z.B. Firma Orlux) bewährt.
Wasser muss auch angeboten werden.
Ausgewachsene Insektenfresser sind anspruchsvoller. Einige, wie Drosseln und
Stare, nehmen außer Insekten auch andere Dinge wie Obst und Beeren zu sich.
In Gefangenschaft gibt man ein gutes Fertig-Insektenfutter (z.B.Firma Claus) sowie
Beoperlen und ergänzt es mit Tiefkühl - oder Lebendinsekten aus dem
Fachhandel.
Rotschwänzchen und Heckenbraunellen, Grasmücken und Rotkehlchen akzeptieren
auch Beeren und Insektenweichfutter zusätzlich zu den Insekten.
Reine Insektenfresser dagegen sind Laubsänger, Schwalben und Mauersegler.
Diese Vögel dürfen ausschließlich mit Lebendinsekten oder aufgetauter
Frostware wie Heimchen und Mehlwürmer gefüttert werden. Mauersegler
bekommen ausschließlich Heimchen, Drohnenbrut, Wachsmottenlarven, aber keine
Mehlwürmer. Fertigfutter erzeugt bei ihnen gesundheitliche Probleme.
Spechte ernährt man mit Insekten, Beeren, Sämereien und Obst und sie
nehmen in menschlicher Obhut auch Fertigfutter auf.
Rabenvögel sind Allesfresser. Sie ernährt man mit Insektenfutter, (gekochtem)
Ei, Hühnerherzen, Obst, Beoperlen, magerem Rindfleisch oder Geflügel.
Hunde - oder Katzenfeuchtfutter ist nicht geeignet, denn es löst gesundheitliche
Probleme aus.
Insekten- bzw. Weichfresserfutter gibt es von den Firmen Orlux, Versele Laga,
Claus etc und ist in allen guten Zoofachgeschäften zu erwerben.
Lebende Insekten oder Frostware gibt es im Zoohandel oder im Versandhandel, bzw.
direkt beim Erzeuger. Fliegenmaden und Regenwürmer (für Drosselartige)
sind im Angelbedarf erhältlich.
Die Größe der Futtertiere muss natürlich der Größe
des Vogels angemessen sein. Die kleinsten Futterinsekten sind Essigfliegen (für
Goldhähnchen), Pinkies, Maden und Buffalos sind überbrüht zu reichen.
Mehlwürmer als alleinige Futtermittel sind nicht geeignet. Grillen, Heimchen,
Heuschrecken, Wachsmottenlarven, Drohnenbrut und vieles mehr können den Futterplan
ergänzen.
Frostware muss nachvitaminisiert werden, z.B. mit Korvimin, Nektron etc.
Statt Futtertiere ist auch folgende Mischung verwendbar:
Magerquark kochen und auspressen; Eigelb, hart gekocht, Zwieback, fein zerkrümelt,
Vitaminmischung. Das alles zu einer krümeligen Masse verarbeitet, ist im
Kühlschrank einige Tage haltbar und man kann es sogar portionsweise einfrieren.
Nicht alle Vögel fressen die Mischung auf Anhieb, deshalb gibt man ein paar
lebende Insekten wie Mehlwürmer oder Buffalos dazu.
Entscheidung: selber pflegen oder abgeben?
Tiere pflegen ist kein Spiel. Sobald ich den Vogel aufnehme, übernehme
ich in der vollen Breite die Verantwortung für sein Wohlergehen. Es ist Zeit-,
Platz- und Geldaufwendig! Macht aber auch sehr viel Freude.
Weiß ich aber, dass ich die anständige Versorgung von vornherein nicht
leisten kann, sollte der Pflegling so schnell wie möglich abgegeben werden,
damit sich sein Zustand nicht verschlechtet.
Bitte bedenken Sie: nahezu alle Vogelpfleger kümmern sich im Ehrenamt und
in Eigenregie um die angebrachten Vögel. Sie finanzieren das meist aus eigener
Tasche. Somit ist die Aufnahmekapazität meist begrenzt. Wer zuviele Tiere
annimmt und sich um das einzelne nicht mehr richtig kümmern kann, macht sich
schuldig am Tier. Deshalb wäre es schön, wenn >einfache< Fälle
selbst versorgt werden könnten und die Pfleger nur mit Rat aushelfen müssen.
Zu beachten sind auch gesetzliche Bestimmungen.
Spezialisten, dazu gehören auch Segler, Schwalben, Greifvögel, Eulen,
Eisvögel etc. gehören auch in Spezialistenhände! Die Versorgung
dieser Tiere ist sehr aufwändig und schon geringste Fehler können zum
Tode des Vogels führen.
Der Vogel muss zum Tierarzt - wer kann helfen
Zunächst sollte man den eigenen Haustierarzt oder ortsansässigen Tierarzt
anrufen und nachfragen, ob er Wildvögel behandelt. Nicht jeder Tierarzt kann
das und wir ggf. zu einem entsprechenden Kollegen verweisen.
Günstig ist es, den tierärztlichen Rat so früh wie möglich
einholen um eine Verschlechterung der Symptome zu vermeiden. Sollte sich eine
ärztliche Behandlung als nicht notwendig herausstellen – um so besser.
Auch sollte der Tierarzt konsultiert werden, wenn es um die Entscheidung geht,
das Tier zu erlösen. Das Einschläfern darf nur von ihm vorgenommen werden.
Dabei muss immer zum Wohle des Vogels gehandelt werden, was individuell abzuklären
ist.
Schwere der Verletzung, Stärke der Schmerzen, Möglichkeit der Unterbringung
in angemessener Dauerpflege und Erhaltung der Lebensqualität entscheiden
über die weitere Vorgehensweise.
Erste Hilfe – was kann ich selber tun
Bewusstlosigkeit durch Trauma
z.B. nach einem Anflug gegen eine Scheibe liegen die Vögel oft verkrümmt
am Boden. Der Körper kann sich schlaff anfühlen oder krampfen. Der Kopf
kann verdreht und die Augen halb geschlossen sein. Auf äußere Reize
reagiert der Vogel nicht oder nur schwach. Eventuell sind Verletzungen oder Blutungen
sichtbar. Starke Blutungen haben bei der Behandlung vorrang.
Fehlen sie, wird der Patient in eine angemessene große Schachtel, in die
man ausreichende Luftlöcher gestochen hat, oder Transportbox gesperrt (kein
Käfig!) und an einen warmen, dunklen und ruhigen Ort gebracht.
Liegen keine schweren Verletzungen vor, erholt sich der Patient innerhalb von
Minuten bis 1-2 Stunden vollständig. Erkennbar wird es daran, dass der Vogel
in seinem Behälter randaliert. Ist es soweit, geht man mit dem Karton nach
draußen und öffnet den Deckel. Der Vogel wird erbost schimpfend davonfliegen.
Erholt sich der Patient nicht in der angemessenen Zeit, muss er schnellstens zum
Tierarzt gebracht werden.
Blutungen
Kleine Blutungen können mit Eisen-3-Chlorid gestillt werden. Dazu taucht
man ein Wattestäbchen in die Lösung und presst sie vorsichtig auf die
Wunde. Manchmal reicht schon die Kompression alleine aus.
Blutungen aus dem Schnabelhorn oder Krallenspitze werden mit leicht angefeuchteter
Seife behandelt. Dabei die Stelle nach kurzer Untersuchung mit der Seife betupfen.
Blutungen aus tief abgerissenen Federkielen hören sofort auf, wenn der restliche
Kiel (bei kleinen Vögeln mit der Pinzette) gezogen wird.
Größere blutende Stellen werden abgedeckt und leicht komprimiert. Dann
schnellstens zum Tierarzt, es besteht Verblutungsgefahr!
Wunden
Bei der Versorgung von Wunden haben starke Blutungen, bzw. schwere Allgemeinstörungen
wie Bewußtseinstrübung vorrang! Liegen sie nicht vor, kann die Wunde
gesäubert werden mit einem Wattestäbchen und Wasserstoffsuperoxydlösung.
Fremdkörper mit einer sauberen Pinzette entfernen. Verklebte Federn vorsichtig
auseinanderzupfen. Desinfektion mit Jodtinktur.
Größere bzw. tiefere Wunden müssen immer tierärztlich behandelt
werden!
Besonderes Augenmerk bei Wunden an Flügeln und Beinen richten! Hier kann
auch ein offener Bruch vorliegen, was tierärztlich abgeklärt werden
muß.
Verletzungen durch Raubtiere und Greifvögel
Hier muss auf jeden Fall ein Tierarzt konsultiert werden, denn das Infektionsrisiko
ist zu hoch und muss mittels einer Antibiose behandelt werden. (siehe auch kapitel
weiter oben)
Verletzungen der Gliedmaßen sind erkennbar daran, dass der Vogel assymetrisch
erscheint: z.B. ein Flügel hängt oder steht ab, ein Bein wird nicht
oder kaum belastet, sowie an Verdickungen, Verfärbungen und Funktionsverlust.
Zur Abklärung ist ein Tierarzt aufzusuchen.
Überhitzung
z.B. nach Verfliegen auf heiße Dachböden oder Gewächshäuser.
Der Vogel ist bewusstseinsgetrübt, keucht, atmet mit weit geöffnetem
Schnabel, die Schwingen werden vom Körper angespreizt, er ist apathisch und
schwach.
Den Vogel vorsichtig an einen kühlen Ort bringen, eventuell mit einer Blumenspritze
(sauberes Wasser!) besprühen. Wasser tropfenweise an den Schnabelrand geben.
An einem ruhigen, kühleren und dunklen Ort erholen lassen.
Unterkühlung
z.B. durchnässt nach einem Unwetter
Das Tier ist schwach, zittert, plustert stark sein Gefieder auf. Den Patienten
langsam erwärmen, z.B. durch eine mit warmem Wasser gefüllte Wärmeflasche.
Den Vogel nicht direkt auf die Heizquelle setzen, immer ein dickes Handtuch drunter
legen.
Geht es ihm besser, wird er wieder munter und das Gefieder glatter.
Verbrennungen
Betroffene Partie sofort unter kaltes Wasser halten, eventuell lokal Eiswürfel
auflegen, aber nicht länger als max. 20 Minuten. Sind Wunden entstanden,
diese sofort von einem Tierarzt behandeln lassen.
Verätzungen und Verschmutzungen
Soviel wie möglich von der Substanz entfernen. Ist die verursachende Substanz
bekannt (wasserlöslich, fettlöslich?) mit fließendem Wasser abspülen,
eventuell unter Zugabe von Spülmittel. Hartnäckige Fette zuerst mit
Salatöl anlösen. Abwechselnd waschen und wieder einölen.
Das letzte Bad muss immer mit klarem Wasser erfolgen. Nicht zu reinigende Federn
ggf. vom Tierarzt entfernen lassen.
Achtung: die Vogelhaut ist sehr dünn und resorbiert schnell. Daher können
allgemeine Vergiftungserscheinungen auftreten. Hier ist der Tierarzt aufzusuchen,
Quelle der Vergiftung mitnehmen.
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