Vogelnothilfe e.V.

Bitte lassen sie flügge Jungvögel sitzen! Sie werden betreut, auch wenn sie noch so hilflos wirken.  Haben Sie auch Verständnis, wenn wir nicht sofort das Telefon bedienen können. Hinterlassen sie Ihre Nachricht daher auf unserem Anrufbeantworter, Ihr Anruf wird schnellstens weiterbearbeitet. Unsere Rufnummer: 02243 8473555 Danke!

 

Wildvögel in Not

Ein Vogel fällt auf – warum?

Verändertes Verhalten:

    fehlender Fluchtreflex

    kann nicht fliegen

    ist aufgeplustert und

    apathisch

   weist offensichtliche Verletzungen auf

   vermeintlich elternloser Jungvogel

   gebietsuntypische Arten, i.d.R. entflogene  Heimvögel

 

Um verändertes Verhalten richtig zu deuten, muß man wissen, dass viele Bodenbrüter, z.B. Kiebitze, Lerchen, Wasservögel etc. ein „Verleiten“ zeigen. Darunter versteht man das Sichkrankstellen der erwachsenen Vögel zum Schutz ihres Nestes oder Jungen. Dadurch werden Feinde abgelenkt und folgen dem lahmenden Elternvogel, bis dieser einen ausreichenden Abstand zum Nest geschaffen hat um dann plötzlich genesen wieder aufzufliegen und auf Umwegen zum Nest zurückkehren.

Ein solcher Vogel gibt dieses Verhalten sofort auf, wenn man sich als Mensch (Feind) entfernt.

 

 Vermeintlich elternlose Jungvögel

Ästlinge: darunter versteht man junge Greifvögel und Eulen, die in einem relativ unreifen (flugunfähigen) Zustand das Nest verlassen, weil es zu klein geworden ist, zu sehr mit Ausscheidungen und Beuteresten verunreinigt ist, oder damit sich der Nachwuchs im Gelände verteilt und somit nicht alle gleichzeitig von einem Beutegreifer erwischt werden. Diese Jungvögel stehen mit ihren Eltern über Rufe in Kontakt und werden gefüttert, sofern man als Mensch nicht im Wege steht!

     Nestflüchter: dazu gehören Enten, Gänse Hühnervögel und manche Limikolen. Sie verlassen fast direkt nach dem gemeinsamen Schlupf das Nest. Sie sind mit einem Daunengefieder bedeckt, haben die Augen geöffnet und folgen den Elterntieren. Auch sie stehen in Rufkontakt. Sind diese in der Nähe zu sehen, findet die Familie zusammen, sobald der Mensch als Störfaktor sich entfernt.

     Nesthocker: dazu zählen alle unsere Singvögel; auch sie verlassen das Nest nicht voll erwachsen. Sie haben kurze Flügel- und Schwanzfedern, z.t. noch in den Hüllen steckend, mit denen sie erste Flugversuche machen. Das restliche Federkleid ist oft mit Dunen durchsetzt. Sie betteln intensiv um Futter und sind leider in diesem Alter wenig ängstlich. Das Gezeter der Eltern erst lehrt sie die Gefahrenquellen zu erkennen.

All diese Vögel benötigen keine menschliche Hilfe! Sie werden von den Eltern bestens versorgt, besser als ein Mensch das je tun könnte.


Wie unterscheide ich erwachsene und junge Vögel?

      Erwachsene Vögel: sind erkennbar an vollständig ausgebildetem Gefieder und artgemäßer Körpergröße. Es sind keine Flaumfedern und Schnabelwülste vorhanden. Sie zeigen ein natürliches Fluchtverhalten.

   Jungvögel findet man jahreszeitenabhängig, nur vom Frühjahr bis zum Herbst.

   Nesthocker: schlüpfen nackt, blind und nacheinander in dem Abstand, wie die Eier gelegt wurden. Sie verbleiben im Nest, werden dort gefüttert, gewärmt, beschützt und vom Kot befreit, solange bis sie einigermaßen befiedert sind und sich laufend und hopsend bewegen können. Richtig fliegen können sie noch nicht. In diesem Alter werden sie von ihren Eltern außerhalb des Nestes weiterversorgt.

   Ausnahme: Mauersegler: sie bleiben bis zum Moment, wo sie das Nest verlassen, sitzen und werden versorgt, danach sind sie sofort selbständig.

Dazu gehören alle Singvogelarten, auch Rabenvögel, Segler, Tauben, Spechte, Greifvögel, Eulen, Reiher, Störche.

Sehr junge Tiere der Singvogelarten sind sehr schwer zu bestimmen!

 

   Nestflüchter: alle Küken schlüpfen gleichzeitig, (sie verständigen sich schon durch Piepen im Ei), tragen ein gut ausgebildetes Dunengefieder, können sehen und laufen. Sie verlassen das Nest und folgen den Altvögeln, die sie beschützen, wärmen, ihnen Futter hinhalten oder Fressbares zeigen. Die Familie steht über Sicht- und Rufkontakt in Verbindung. Versprengte Küken laufen ängstlich piepend umher, bis sie den Anschluß wieder gefunden haben.

Ästlinge: werden alle Nesthocker (Greifvögel, Rabenvögel, Eulen) ab einen bestimmten Alter bezeichnet, die in noch unreifen Zustand das Nest verlassen und sich im Geäst oder auf dem Boden aufhalten.

 

Gebietsfremde Vögel, sogenannte Exoten

Häufig handelt es sich um gängige Heimtiere wie Wellensittiche, Nymphensittiche, Großpapageien, aber auch Kanarienvögel oder andere Finkenvögel. In der Regel sind diese Vögel beringt und an menschliche Annäherung gewöhnt. Sie suchen häufig aktiv Kontakt zum Menschen auf der Suche nach Futter. Solche Tiere sind in der freien Natur meist nicht überlebensfähig, da das Klima, das Futter oder das Biotop ungeeignet sind. Außerdem fallen sie bevorzugt Fressfeinden zu Opfer. Obwohl sich manche der Kleinvögel Spatzenschwärmen anzuschließen versuchen, ist ihre Überlebenschance gering einzuschätzen. Diese Exoten sollten eingefangen werden; häufig reicht es aus, einen Käfig mit Futter auf die Terrasse zu stellen und abzuwarten. Artähnliche Lockvögel tun ihr Übriges.

Davon unterscheiden muß man Vögel, die sich in Freiheit etabliert haben, wie Z.B. Halsbandsittiche oder Amazonenpapageien, die in einigen Städten wild leben und sich vermehren.

 

Einfache Hilfen:

Adulte (erwachsene) Vögel fliegen oft gegen eine Glasscheibe – man hört einen dumpfen Knall vom Aufprall. Der Patient liegt dann meist unterhalb der Aufprallstelle, die man an einigen Federchen, die an der Scheibe kleben, oder an einem Körperabdruck gut erkennen kann.

Häufig genügt es, verunfallte Vögel in eine Pappschachtel (Luftlöcher nicht vergessen!) ruhig, warm und dunkel zu legen und einige minuten bis Stunde abzuwarten. Liegen keine Verletzungen vor, tobt der Vogel bald in seiner Kiste und kann fliegen gelassen werden.

Nester: versehentlich beschädigte oder von Unwetter etc heruntergerissenen Nistgelegenheiten kann man versuchen wieder herzurichten und neu an einem ähnlichen Standort in der Nähe zu fixieren. Die Bindung der Elterntiere an ihre Brut ist meist stark genug, dass die Manipulationen hingenommen werden und Eier/Jungvögel weiterhin versorgt werden.

Juvenile Vögel:

(Jungtiere) gerade flügge gewordene Jungvögel von Nesthockern findet man häufig an Stellen, die für sie gefährlich sind (Straßen, Hauseingänge, Lichtschächte) Diese Vögel sollten einfach an sichere Plätze gebracht werden, die sich aber in der Nähe befinden müssen.

Der >Geruch< nach Mensch stört entgegen landläufiger Meinung nicht die Eltern-Kind-Beziehung, die Anwesenheit von Menschen sehr wohl, daher sollte man sich entfernen.

Auch versprengten Nestflüchtern kann man das leben erleichtern, wenn man sie näher an ihre familie heranbringt, wobei man sicherstellen sollte, das es sich auch um die richtige Familie handelt; fremde Jungtiere werden häufig nicht angenommen.

Ungünstig sitzende Ästlinge können ebenfalls ins gebüsch oder auf Äste gesetzt werden, wo sie einen besseren Schutz haben. Ästlinge, über denen die Fliegen kreisen und vielleicht schon Eier abgelegt haben, werden von ihren Eltern nicht mehr angenommen.

 

Ursachen für Probleme adulter Vögel, die Hilfe notwendig machen

Anfliegen an Fensterscheibe

Abdruck an der Scheibe und Federn häufig erkennbar

Symptome: Bewußtseinstrübung- bis Verlust, auf der Seite liegend oder auf dem Rücken, schwer atmend, Lähmungserscheinungen. Eventueller Blutaustritt aus Wunden oder Körperöffnungen, besonders am Kopf. Spontaner Kotabsatz möglich, eventuell Frakturen von Gliedmaßen, im Kopfbereich oder Wirbelsäule.

Kollision mit Fahrzeugen

Fundort auf oder neben der Fahrbahn, Zustand ähnlich wie bei Anflug gegen die Fensterscheibe. Oft zerzaustes oder gebrochenes Gefieder, lebend werden häufig nur Großvögel wie Krähen, Eulen und Greife angetroffen.

Verletzungen von Hunden, Katzen, Mardern u.ä.

Die Vögel werden verletzt aufgefunden in Feld, Wald, Garten oder von Hunden oder Katzen mit nach Hause gebracht. Verletzungen sind kaum sichtbar bis großflächig, mit oder ohne Frakturen möglich. Federverlust, Blutungen und Bewußtseinsstörungen.

Wichtig: Fleischfresser haben eine für Vögel gefährliche Mundflora (Pasteurellen); d.h. auch harmlos aussehende Wunden bedürfen einer tierärztlichen Behandlung mit Antibiotika, sonst versterben die Patienten schnell an einer schweren Infektion.

Verletzungen durch andere Vögel

Grifftötende Greifvögel und Eulen verursachen zunächste harmlos aussehende feine äußere Wunden, die aber sehr tief sein können. Habichte und Falken schlagen ihre Beute mehrfach in der Luft, bringen sie ins Trudeln bevor sie manövrierunfähig getötet wird. Diese Opfer sehen sehr gerupft aus. Fundorte solch entkommener Beutetiere sind Garten, Wald, Wiese und Feld. Die Vögel können sowohl blutende Wunden, Frakturen als auch innere Verletzungen haben. Ein Tierarzt muß konsultiert werden.

Schußwunden

Angeschossene Vögel findet man in Orten, Ortsrandlagen, an Fischteichen usw. Betroffene Tiere können offensichtlich schwer verletzt oder auch oberflächlich unversehrt erscheinen. Geschosse sind häufig nur durch Röntgenaufnahmen sichtbar.

Fallen

In Fallen verfangen sich Vögel meist mit Kopf, Hals, Flügel oder Beinen. Die dadurch resultierenden Verletzungen sind schwere Wunden, Frakturen und Gliedmaßenabtrenbnungen.

Netze und Schlingen

Vögel, die sich in so etwas verfangen haben, haben schon eine Weile vergeblich versucht sich zu befreien und sich damit nur noch mehr verstrickt. Hier können Körperteile abgeschnürt oder die Haut eingeschnitten sein. Sind Vögel aus Fallen, Netzen und Schlingen nicht mit einfachen Handgriffen einfach zu befreien, oder ist es schon ersichtlich, dass sie körperlichen Schaden genommen haben, kann es besser sein, sie nur grob herauszuschneiden und dann vom Tierarzt entgültig befreien und versorgen zu lassen.

An Gewässern nehmen Vögel immer wieder Angelhaken mit und ohne Schnur auf. Entweder man sieht ihn von außen schon oder es hängt das Schnurende aus dem Schnabel. Nicht daran ziehen, da sich der Angelhaken nur noch tiefer ins Gewebe gräbt. Er muß vom Tierarzt entfernt und die Wunde versorgt werden.
Auch die Gliedmaßen können von Angelschnüren umwickelt sein. Oft ist ein Absterben des betroffenen Gliedes durch feste Einschnürungen die Folge, wenn die Schnur nicht rechtzeitig entfernt wird.

Eingesperrte Vögel

In Garagen, Gartenhäusern, Dachböden, Keller, Karminschächte usw. können sich Vögel verflogen haben. Je nach Jahreszeit leiden sie unter Hitze oder Kälte sowie Hunger und Durst. Zusätzlich geschwächt sind sie von den Versuchen, sich zu befreien, in dem sie z.B. gegen Fenster anfliegen. Diese Tiere sind dann oft sehr schmutzig,, schwach, mitgenommen im Gefieder, ausgetrocknet, hungrig, unterkühlt oder überhitzt. Tiere im guten Zustand, die nur kurz eingesperrt waren, kann man sofort wieder fliegen lassen. Geschwächte Tiere bedürfen einer umsichtigen Behandlung.

Überhitzung führt zu Hecheln und schnellem Atmen mit geöffneten Schnabel; die Körpertemperatur steigt, der Vogelkörper trocknet aus. Die Haut wird faltig, die Augen sinken ein, das Bewußtsein trübt sich bis schließlich der Tod eintritt.

Kälte schwächt die Vögel, die Bewegungen verlangsamen sich, der Tierkörper fühlt sich kalt an. Die Vögel zeigen kaum Reflexe und wenn der Zustand länger so anhält, setzt der Tod ein. Nach und nach Fundortfotos einfügen

 

Welche Jungvögel benötigen Hilfe?

Verlassene Tiere

Tatsächlich verlassene Jungvögel aufnehmen, viele erscheinen nur so. (siehe unter Nestflüchter, Nesthocker, Ästlinge) Keiner zieht die Kleinen so gut auf wie die eigenen Eltern. Habe ich Zweifel, belasse ich den Jungvogel dort, wo er ist (setze ihn eventuell geschützter ins Gebüsch), entferne mich und beobachte aus der ferne oder schaue etwas später noch einmal vorbei.

Überzählige Jungtiere / geschwächte Jungtiere

Besonders Schleiereulen und Turmfalken legen häufig mehr Eier als sie geschlüpfte Küken ernähren können (als Reserve) oder die Nahrungssituation verändert sich drastisch während der Brutperiode. Dann werden die stärksten Jungvögel bevorzugt und die Jungen und Schwachen vernachlässigt und sogar aus dem Nest geworfen. Manche verlassen es aus Hunger freiwillig. Solche Tiere zurücksetzen führt nur dazu, dass sie wieder aus dem Nest stürzen und sich eventuell verletzen. Solche Vögel sollten einem Fachmann zur Aufzucht übergeben werden.

Lebensschwache, kranke, stark mit Parasiten befallene oder verklammte Jungvögel aller Arten werden werden von ihren Eltern ebenso entsorgt, sobald sie nicht mehr lebhaft sind und betteln. Solche Vögel findet man unter der jeweiligen Niststätte. Sie sind Intensivpfleglinge, die behandelt und großgezogen werden müssen, sofern sie überhaupt überleben.

Eben flügge Gewordene

Die größte Anzahl hilfsbedürftiger Jungvögel sind die gerade flügge gewordenen Vögel, die verunfallt sind oder einem Beutegreifer knapp entronnen sind.

Für sie gilt was für entsprechend verletzte Alttiere gesagt wurde plus die notwendige Aufzucht und anschließende Auswilderung.

Hilfe ist notwendig – wie fange ich einen Vogel ein?

Erst denken, dann handeln – Stress vermeiden kann lebensrettend für den Vogel sein!

Kleine, junge Tiere kann man vorsichtig mit der Hand fangen oder ein leichtes Stück Stoff drüberwerfen, z.B. ein Handtuch, Schal etc. Das hat den Vorteil, das sie erst einmal ruhig darunter sitzen bleiben und man beim Aufnehmen das Gefieder nicht beschädigt.

Bedenke: nur Vögel mit intaktem Gefieder können wieder in die Natur entlassen werden. Beschädigte Federn wachsen nicht nach, sie müssen gemausert werden, das kann je nach Art über ein Jahr dauern.

Größere, wehrhafte Vögel können mit Schnabel, Krallen oder Schwingen ernsthafte Verletzungen verursachen, z.B. Greifvögel, Eulen, Graureiher, Kormorane, Gänse, Schwäne, Spechte, große Rabenvögel.

Ambesten schützt man seine Hände mit Handschuhen und Decken, die über den Patienten geworfen werden. Mitunter reicht auch eine stabile Jacke.

Greifvögel und Eulen können empfindlich beissen und blitzschnell mit den Fängen schlagen. Schwäne und Gänse beissen und schlagen mit den Flügeln. Graureiher und Kormorane zielen mit geschlossenem Schnabel ins Gesicht und direkt in die Augen!

Achtung: auch offensichtlich schwer kranke oder fast tote Vögel können noch einmal ihre Kräfte mobilisieren und sich erbittert wehren.

 

Niemals den Vogelkörper zusammendrücken! Vögel haben kein Zwerchfell und können nicht atmen, wenn die Bewegung des Brustkorbes unterbunden wird. Die Nasenlöcher freilassen, die Augen aber abdecken, so dass der Vogel ruhiger wird.

Wildes Herumschlagen mit den Flügeln und Beinen durch sicheres Fixieren verhindern, damit keine weiteren Verletzungen und Gefiederschäden entstehen.

Wichtig ist ein beherztes Handeln, das stressige Verfolgungsjagten vermeidet, eventuell Hilfe holen!

Bevor man den Vogel einfängt oder währenddessen muß man sich bereits Gedanken machen, wie man ihn transportieren möchte. Vielleicht ist es möglich, einen Karton oder Transportkorb für Kleintiere bereitzustellen oder heranschaffen zu lassen. Auch hier gilt: jegliche verzögerung ist zu vermeiden, um das Tier nicht unnötig zu stressen.

 

Kleine Vögel kann man kurzfristig in einer Pappschachtel unterbringen. Sie sollte so groß sein, dass der Vogel aufrecht darin stehen, aber nicht herumflattern kann.

Die Schachtel sollte natürlich luftdurchlässig sein. Der Aufenthaltsort muß ruhig und nicht zu hell gewählt werden. Für größere Vögel eignen sich größere Kartons, z.B. Umzugskartons oder Katzen-transportkörbe aus Kunststoff. Diese sind luftdurchlässig, hygienisch sauber zu halten und mittels einer Decke oder Handtuch abdunkelbar.

Als Bodenbelag eignet sich Zeitungspapier oder Küchenrolle; kann der Vogel auch sitzen, kann man eine Sitzstange darin befestigen.

Niemals herkömmliche Käfige verwenden!

Darin zerstoßen sich die Vögel das Gefieder und fügen sich Wunden um den Schnabel herum zu. Schlimmstenfalls ziehen sie sich weitere schwere Verletzungen zu.

Wichtig: Wildvögel neigen dazu, in Gefangenschaft panisch zu reagieren. Deshalb unnötiges vermeiden, Ruhe im Umgang, keine lauten Geräusche, keine hektischen Bewegungen, kein grelles Licht, keine anderen Haustiere, besonders kein Hund und Katze, und kein Auflauf sämtlicher Nachbarskinder, die nur mal >gucken kommen< wollen!

Vergiftungen

Auch Wildvögel können sich vergiften, z.B. an ihrerseits vergifteten Beutetieren wie Mäuse und Ratten oder mit insektiziden behandelte Insekten. Aber nicht nur die Aufnahme der Gifte durch den Schnabel kann gefährlich sein, auch können viele Substanzen durch die Haut in den Körper eindringen. Das geschieht durch Verschmutzung mit Ölen und Farben und auch mit Lösungsmitteln.

In der Regel kennt man das spezifische Gift nicht. Daher ist eine ursächliche Behandlung oft nicht möglich, sondern nur eine symptomatische. Die Vögel können apathisch sein, Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Krämpfe zeigen.

Solche Vögel gehören in die Hände eines erfahrenen Tierarztes.

Infektionen

Alle möglichen Infektionen können auch Wildvögel befallen und die unterschiedlichsten Symptome hervorrufen. Am Zustand des Vogels kann man nicht sofort auf die Ursache schließen. Aufgefunden werden die Tiere meist erst, wenn die Erkrankung sehr weit fortgeschritten ist.

Eine genaue tierärztliche Diagnose ist für eine Heilung notwendig. Häufig kommt jegliche Hilfe zu spät.

 

 

Unterbringung

Jungvögel von Nesthockern sollte ein Ersatznest angeboten werden. Dazu verwendet man einen Karton, eine Schüssel oder eine Kleintiertransportkiste. Das Behältnis muß nicht groß sein, aber leicht zu reinigen. Als Untergrund kann Küchenrolle oder ein ausgedientes Handtuch verwendet werden. Dann formt man aus Küchenkrepp eine Nistmulde, in die man die oder das Vogelkind setzt. Der Rand sollte hoch genug sein, damit die Vögel nicht herausfallen können und niedrig genug, dass sie ihre Kloake eben über den Rand heben können um abzukoten.

Dadurch bleibt der Nestinnenraum besser sauber.

Sind die Küken noch nicht befiedert, wird ein leichtes, luftdurchlässiges Tuch drübergelegt, um das Hudern zu simulieren. Höhlenbrüterjungtiere sollten sowieso dunkel gehalten werden außerhalb der Fütterung.

Wichtig ist eine durchgängige, angemessene Wärme im Nest, die bei 30-35° liegen sollte. Bei zunehmender Befiederung wird sie auf Zimmertemperatur abgesenkt.

Stets sollte der Vogel beobachtet werden, ob es ihm zu warm ist (hecheln und der Versuch, von der Wärmequelle wegzukrabbeln), oder zu kalt, dann wird er ruhig und klamm und frißt nicht mehr. Die Temperatur sollte man im Nest mit einem Thermometer überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.

Als Wärmequellen können dienen: kurzfristig Wärmflaschen oder Körnerkissen, langfristig Wärmematten aus der Terraristik, Rotlichtlampen oder Dunkelstrahler. Die notwendige Wärme wird im Nestbereich mittels Thermometer eingerichtet; Je geringer die Entfernung der Wärmequelle, desto wärmer. Diese Heizung muß 24 Std zur Verfügung stehen, also auch Nachts, da der kleine Vogelkörper noch keine Wärme speichern oder selber in ausreichendem Maße herstellen kann.

Der Standort für den Nestersatz sollte sich an einem ruhigen, Zugluftfreien Ort befinden. Mit zunehmenden Alter wird der Vogel aktiver, sitzt auf seinem Nestrand und trainiert seine Flügel. Nun benötigt der kleine Gast mehr Raum. Das kann eine Freiflugvoliere sein, der Wintergarten, das Gartenhäuschen oder ein ruhiger, heller, wenig benutzter Raum.

Bevor der Vogel umquartiert wird, muß er an die dort herrschenden Temperaturen gewöhnt sein. Die Räumlichkeiten müssen von potenziellen Gefahrenquellen befreit werden: Klodeckel zu, Aquarium gut abdecken, Ritzen hinter Schränken zukleben, usw.

Das Mobilar kann gegen die Verschmutzung mit Malerfolie abgedeckt werden, auch Küchenkrepp oder Zeitungen kann man benutzen.

Nun kann ein wenig Natur hereingeholt werden, damit der Vogel lernt, was er

später zum Überleben braucht: hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Zweige, Laub, Grassoden, Steine, Holz und natürlich viel Platz zum Fliegen schaffen eine abwechslungsreiche Umgebung.

Ist der Vogel komplett flugfähig und futterfest, d.h. er ist in der Lage, selbständig sein arttypisches Futter erkennen und picken, kann man den Käfig katzensicher auf den Balkon/Terrasse stellen und öffnen. Meist siegt nach einiger Zeit die Neugierde und der Vogel fliegt davon. Oftmals kehrt er noch einige Zeit zurück und nimmt sein gewohntes Futter auf, eventuell übernachtet er sogar noch für einige Tage in seiner gewohnten Behausung. Eines Tages wird er ganz ausbleiben und mit ein wenig Glück kann man den Vogel draußen im Garten beobachten.

Der günstigste Zeitpunkt zum Auswildern ist morgens, bei gutem Wetter und am besten in Anwesenheit artgleicher Vögel. So kann man hoffen, dass das Pflegekind Anschluss findet. Problematisch ist, wenn ein Vogel nicht weiß, dass er ein Vogel und kein Mensch ist. Eine solche Fehlprägung ist zu vermeiden, am besten durch das Pflegen weitere artgleicher Vögel. Besonders Rabenvögel neigen dazu, sich sehr eng an den Menschen zu binden, was dem Vogel unmöglich macht, ein artgerechtes Leben in Freiheit zu führen. Somit sollte der Tier-Mensch-Kontakt auf das Nötigste beschränkt bleiben – auch wenn das noch so schwer fällt.

Ziel der Aufzucht von Vogelwaisen muss die Freilassung in die Natur sein.


Fütterung von Nestlingen

Die meisten Körnerfresser ziehen ihre Brut mit Insekten auf. Das heißt, keine Körner, Brotkrumen oder ähnliches in die gesperrten Schnäbel stecken! Geeignete Futtertiere sind der Größe der Schnäbel angepasst – wobei man staunt, welch große Brocken das Vogelkind verschlucken kann. Fliegenmaden, Mehlwürmer, Pinkies, Buffalos, Zophorbas nur abgebrüht reichen, sie können sich durch den zarten Vogelleib fressen. Gefrorene Insekten stets mit einer kleinen Brise Vitamine (Korvimin ZVT oder Orlux Optibreed) überstäuben. Abwechslung im Futter muß sein, damit der Vogel sich an alles gewöhnt und Mangelerscheinungen vorgebeugt wird.

Schwächliche Küken können mit folgender Mischung gepäppelt werden:

5 gefrostete Drohnen,

1-2 Tropfen heißes Wasser,

Vit. B und eine Messerspitze Korvimin ZVT.

 

Zum Brei verrühren und in eine kleine Einwegspritze füllen. Die Mischung Tröpfchen für Tröpfchen verfüttern, darauf achten, dass der Vogel schluckt, sonst besteht Erstickungsgefahr!

Futtertiere werden den Küken am besten mit einer Einwegplastikpinzette (Apotheke) oder einer Pinzette mit abgerundetem Pinzettenkopf gereicht, um Verletzungen zu vermeiden.

Kurzfristig kann auch Kanarienaufzuchtfutter gereicht werden. Bei allen Körnerfressern ist auch ein Handaufzuchtfutter für Papageien möglich: z.B. A19  oder A21 von Nutribird.

Einige wenige Körnerfresser verzichten bei der Jungenaufzucht nahezu ganz auf animalische Kost; sie ernähren ihre Jungen fast ausschließlich vegetarisch. Dazu gehören: Fichtenkreuzschnabel, Girlitz, Bluthänfling

Diese können ein Gemisch erhalten aus:

Geschälte und gequollene/gekochte Sämereien (z.B. Hanf)

Hartgekochtes Eigelb

Fein zerbröselter und angefeuchteter Zwieback

Vitaminmischung

Wenige Insekten wie Blattläuse oder Essigfliegen

 

Die Küken von Insektenfressern müssen abwechslungsreiche Insektenkost bekommen, angereichert mit Vitaminen. Auch hier gilt: Maden und Mehlwürmer müssen abgebrüht werden!

Drosseln und Stare vertragen auch Beoperlen, anfänglich in Wasser gequollen, sowie Weichfresserfutter und Insekten. Amseln und Drosseln sollte man beizeiten Regenwürmer mit ein wenig Erde dran reichen.

Zarte, kleine Küken können anfänglich auch mit Nutribird A21 ernährt werden, diesem Handaufzuchtbrei kann man mit blanchierter Drohnenbrut ergänzen.

Rabenvögel fressen das, was man den erwachsenen Tieren reicht, nur in kleineren Happen. Hier ist auch ein abwechslungsreicher Speiseplan sehr wichtig, um Mangelerscheinungen vorzubeugen!

 

Allgemeines zur Kükenfütterung:

Man darf nicht vergessen, dem Küken ab und an ein paar Tropfen abgekochtes Wasser in den Schnabel zu geben.

Je kleiner und jünger ein Vogel ist, desto häufiger muß gefüttert werden! Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, alle ½ Std. wäre optimal.

Das Futter ist stets frisch anzubieten. Hierbei ist auf größte Hygiene zu achten, genau so streng wie bei der Bereitung von Babykost!

Hat man keines der Futtermittel im Haus, dann bitte nicht mit Brot oder irgend etwas anderem herumexperimentieren! Lieber nur etwas Flüssigkeit geben, z.B. Oralpädon aus der Apotheke oder:

1 große Tasse lauwarmes, abgekochtes Wasser,

¼ Teelöffel Kochsalz

2 Teelöffel Traubenzucker

Sind die Jungtiere noch wenig befiedert, kann man den Sättigungsgrad am Kropf erkennen. Erst wenn der Kropf einigermaßen leer ist, (was recht schnell geht) sollte wieder gefüttert werden – auch wenn der Vogel noch so bettelt! Hier ist es wichtig, dass der Vogel eine angemessene Portion erhält; auf keinen Fall so viel füttern, dass der Kropf übermäßig voll ist.

Mit zunehmendem Alter und Lebhaftigkeit bietet man dem Küken das entsprechende Erwachsenenfutter zur Aufnahme an. Greift er hier zu, werden die Fütterungen langsam eingestellt, bis er sich alleine ernähren kann.

Gedeihen die Küken nicht, sollte man den Vogel dem Tierarzt vorstellen. Der sollte anhand einer Kotprobe nach Parasiten (Würmer, Kokzidien) schauen und auch einen Rachenabstrich machen. Diese Maßnahme kann lebensrettend sein.

 

Unterbringung von Nestflüchtern

Die Küken von Nestflüchtern brauchen kein eigentliches Nest, da sie es kurz nach dem Schlupf verlassen und verhältnismäßig eigenständig leben. Sie brauchen vor allen dingen viel Platz, eine saugfähige Einstreu und, bei Wasservögeln, ein Behältnis zum Plantschen. Wichtig ist besonders die ersten Tage eine Wärmequelle (Kükenlampe), die das Vogelkind nach Bedarf aufsuchen kann. Die Lampe darf aber nur einen Teil der Behausung erwärmen, sonst überhitzt sich das Vogelkind.

Küken von Wasservögeln lasst man Anfangs nur unter Aufsicht kurz in flachem Wasser baden. Das Gefieder fettet erst mit der Zeit ein, bis es soweit >wasserfest< ist, können die Tiere ertrinken oder verklammen.

Als Aufbewahrungsort eignen sich große Kaninchenkäfige und zum Baden das Unterteil einer Katzentoilette. Die Küken müssen sehr viel, natürlich unter Kontrolle, an die frische Luft in Sonne und Licht. Wenn sie älter sind kann man sie stundenweise in einen Kaninchenauslauf, gesichert mit einem Netz, in den Garten setzen.


Ernährung von Nestflüchtern

Auch hier unterscheiden wir zwischen Pflanzenfressern und Insektenfressern, bzw. Fischfressern.

Zu den Pflanzenfressern gehören Gänse - und Hühnervögel. Für die meisten eignen sich Präparate wie Kükenstarter für Hühnervögel, ergänzt mit Vitaminen, Grünfutter und Insekten. Diesen Tieren muss meist nur gezeigt werden, wonach sie picken müssen, das macht man am besten, indem man mit dem Finger ins Futter klopft.

Wasser sollte stets frisch und sauber zur freien Aufnahme bereitstehen.

Zu den Insektenfressern gehören Flussseeschwalben, Taucherarten, Sägerarten. Hier bietet man Lebendinsekten an, viele Jungtiere reagieren auf den optischen Reiz der Bewegung von Futterinsekten. Taucher und Säger bekommen zusätzlich kleine Fischchen wie Stinte oder Moderlieschen, man alternativ kann auch Fischfilet (Forelle z.B.) in kleine Stücke schneiden.

Ergänzend kann man diesen Vögeln Pellets für Wasservögel z.B. Lundi anbieten.

 

Unterbringung erwachsener Vögel

Adulte Vögel sind an das Leben in freier Natur angepasst, d.h. Gefangenschaft bedeutet auf jeden Fall Stress und sollte so kurz wie möglich sein. Die Unterbringung richtet sich nach Größe des Vogels sowie notwendige Manipulationen. Vögel, die z.B. nur durchmausern müssen oder Fitness nach überstandener Krankheit wiedererlangen sollen, sind am besten in einer naturnahen, sauberen Voliere untergebracht. Tiere, die täglich behandelt werden müssen oder sich nicht viel bewegen dürfen, müssen sich mit wenig Raum zufrieden geben.

Dabei sind nur glattwandige Behältnisse zu benutzen, handelsübliche Käfige aller Art sind unbrauchbar, da die Vögel sich am Gitter das Gefieder beschädigen oder sogar schlimme Verletzungen davontragen können. Gute Dienste leisten hierfür Kleintiertransportboxen aus Kunststoff oder größere textile Tiertransportbehälter mit seitlichen Gazefeldern.

Die Einrichtung wird nach der Art der Erkrankung bestimmt. Stets ist Sauberkeit das oberste Gebot.

 

Fütterung erwachsener Vögel

Erwachsenen Vögel nehmen i.d.R. das Futter selbständig auf, wenn sie dazu in der Lage sind. Sehr wichtig ist die Bestimmung der Art, um das richtige Futter anzubieten.

Am einfachsten sind die Körnerfresser:

Buchfink, Bergfink, Birkenzeisig, Bluthänfling, Erlenzeisig, Sperlinge, Kreuzschnäbel, Dompfaff, Girlitz, Goldammer, Stieglitz, Grünfink u.a. Man erkennt dies Vögel am kurzen, breiten und kräftigen kegelförmigen Schnabel (mit Ausnahme des Kreuzschnabels, wie der Name schon sagt). Angeboten werden kann: Exotenfutter, Kanariensaat, Wellensittichfutter. Für größere Arten kann man Papageienfutter oder Taubenfutter reichen, zur Not Sonneblumenkerne oder Winterstreufutter. Im gut sortierten Zoofachhandel gibt es für die einzelnen Waldvogelarten die richtige Futtermischung zu kaufen. Wichtig ist auch Grünfutter: Vogelmiere, Löwenzahn, Hirtentäschelkraut, Obstbaumknospen (ungespritzt!), Zweige mit Blättern oder Knospen von Buche, Hasel, Birken, Gurke, Äpfel, Birnen, Trauben. Vogelgritt erleichtert die Verdauung des Körnerfutters. Zusätzlich hat sich das Anbieten eines Waldvogel-Eifutters (z.B. Firma Orlux) bewährt. Wasser muss auch angeboten werden.

 

Ausgewachsene Insektenfresser sind anspruchsvoller. Einige, wie Drosseln und Stare, nehmen außer Insekten auch andere Dinge wie Obst und Beeren zu sich. In Gefangenschaft gibt man ein gutes Fertig-Insektenfutter (z.B.Firma Claus) sowie Beoperlen und ergänzt es mit Tiefkühl - oder Lebendinsekten aus dem Fachhandel.

Rotschwänzchen und Heckenbraunellen, Grasmücken und Rotkehlchen akzeptieren auch Beeren und Insektenweich­futter zusätzlich zu den Insekten.

Reine Insektenfresser dagegen sind Laubsänger, Schwalben und Mauersegler. Diese Vögel dürfen ausschließlich mit Lebendinsekten oder aufgetauter Frostware wie Heimchen und Mehlwürmer gefüttert werden. Mauersegler bekommen ausschließlich Heimchen, Drohnenbrut, Wachsmottenlarven, aber keine Mehlwürmer. Fertigfutter erzeugt bei ihnen gesundheitliche Probleme.

Spechte ernährt man mit Insekten, Beeren, Sämereien und Obst und sie nehmen in menschlicher Obhut auch Fertigfutter auf.

Rabenvögel sind Allesfresser. Sie ernährt man mit Insektenfutter, (gekochtem) Ei, Hühnerherzen, Obst, Beoperlen, magerem Rindfleisch oder Geflügel, Hunde - oder Katzenfeuchtfutter ist nicht geeignet, denn es löst gesundheitliche Probleme aus.

Insekten- bzw. Weichfresserfutter gibt es von den Firmen Orlux, Versele Laga, Claus etc und ist in allen guten Zoofachgeschäften zu erwerben.

Lebende Insekten oder Frostware gibt es im Zoohandel oder im Versandhandel, bzw. direkt beim Erzeuger. Fliegenmaden und Regenwürmer (für Drosselartige) sind im Angelbedarf erhältlich.

Die Größe der Futtertiere muss natürlich der Größe des Vogels angemessen sein. Die kleinsten Futterinsekten sind Essigfliegen (für Goldhähnchen), Pinkies, Maden und Buffalos sind überbrüht zu reichen. Mehlwürmer als alleinige Futtermittel sind nicht geeignet. Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Wachsmottenlarven, Drohnenbrut und vieles mehr können den Futterplan ergänzen.

Frostware muss nachvitaminisiert werden, z.B. mit Korvimin, Nektron etc.

Statt Futtertiere ist auch folgende Mischung verwendbar:

Magerquark kochen und auspressen; Eigelb, hart gekocht, Zwieback, fein zerkrümelt, Vitaminmischung. Das alles zu einer krümeligen Masse verarbeitet, ist im Kühlschrank einige Tage haltbar und man kann es sogar portionsweise einfrieren. Nicht alle Vögel fressen die Mischung auf Anhieb, deshalb gibt man ein paar lebende Insekten wie Mehlwürmer oder Buffalos dazu.


Entscheidung: selber pflegen oder abgeben?

Tiere pflegen ist kein Spiel. Sobald ich den Vogel aufnehme, übernehme ich in der vollen Breite die Verantwortung für sein Wohlergehen. Es ist Zeit-, Platz- und Geldaufwendig! Macht aber auch sehr viel Freude.

Weiß ich aber, dass ich die anständige Versorgung von vornherein nicht leisten kann, sollte der Pflegling so schnell wie möglich abgegeben werden, damit sich sein Zustand nicht verschlechtet.

Hier den Link zur Pflegestellenliste einfügen

Bitte bedenken Sie: nahezu alle Vogelpfleger kümmern sich im Ehrenamt und in Eigenregie um die angebrachten Vögel. Sie finanzieren das meist aus eigener Tasche. Somit ist die Aufnahmekapazität meist begrenzt. Wer zuviele Tiere annimmt und sich um das einzelne nicht mehr richtig kümmern kann, macht sich schuldig am Tier. Deshalb wäre es schön, wenn >einfache< Fälle selbst versorgt werden könnten und die Pfleger nur mit Rat aushelfen müssen.

Zu beachten sind auch gesetzliche Bestimmungen.

Spezialisten, dazu gehören auch Segler, Schwalben, Greifvögel, Eulen, Eisvögel etc. gehören auch in Spezialistenhände! Die Versorgung dieser Tiere ist sehr aufwändig und schon geringste Fehler können zum Tode des Vogels führen.

 

Der Vogel muss zum Tierarzt – wer kann helfen

Zunächst sollte man den eigenen Haustierarzt oder ortsansässigen Tierarzt anrufen und nachfragen, ob er Wildvögel behandelt. Nicht jeder Tierarzt kann das und wir ggf. zu einem entsprechenden Kollegen verweisen.

 

Günstig ist es, den tierärztlichen Rat so früh wie möglich einholen um eine Verschlechterung der Symptome zu vermeiden. Sollte sich eine ärztliche Behandlung als nicht notwendig herausstellen – um so besser.

Auch sollte der Tierarzt konsultiert werden, wenn es um die Entscheidung geht, das Tier zu erlösen. Das Einschläfern darf nur von ihm vorgenommen werden. Dabei muss immer zum Wohle des Vogels gehandelt werden, was individuell abzuklären ist.

Schwere der Verletzung, Stärke der Schmerzen, Möglichkeit der Unterbringung in angemessener Dauerpflege und Erhaltung der Lebensqualität entscheiden über die weitere Vorgehensweise.

 

Erste Hilfe – was kann ich selber tun

 

Bewusstlosigkeit durch Trauma

z.B. nach einem Anflug gegen eine Scheibe liegen die Vögel oft verkrümmt am Boden. Der Körper kann sich schlaff anfühlen oder krampfen. Der Kopf kann verdreht und die Augen halb geschlossen sein. Auf äußere Reize reagiert der Vogel nicht oder nur schwach. Eventuell sind Verletzungen oder Blutungen sichtbar. Starke Blutungen haben bei der Behandlung vorrang.

Fehlen sie, wird der Patient in eine angemessene große Schachtel, in die man ausreichende Luftlöcher gestochen hat, oder Transportbox gesperrt (kein Käfig!) und an einen warmen, dunklen und ruhigen Ort gebracht.

Liegen keine schweren Verletzungen vor, erholt sich der Patient innerhalb von Minuten bis 1-2 Stunden vollständig. Erkennbar wird es daran, dass der Vogel in seinem Behälter randaliert. Ist es soweit, geht man mit dem Karton nach draußen und öffnet den Deckel. Der Vogel wird erbost schimpfend davonfliegen. Erholt sich der Patient nicht in der angemessenen Zeit, muss er schnellstens zum Tierarzt gebracht werden.

 

Blutungen

Kleine Blutungen können mit Eisen-3-Chlorid gestillt werden. Dazu taucht man ein Wattestäbchen in die Lösung und presst sie vorsichtig auf die Wunde. Manchmal reicht schon die Kompression alleine aus.

Blutungen aus dem Schnabelhorn oder Krallenspitze werden mit leicht angefeuchteter Seife behandelt. Dabei die Stelle nach kurzer Untersuchung mit der Seife betupfen.

Blutungen aus tief abgerissenen Federkielen hören sofort auf, wenn der restliche Kiel (bei kleinen Vögeln mit der Pinzette) gezogen wird.

Größere blutende Stellen werden abgedeckt und leicht komprimiert. Dann schnellstens zum Tierarzt, es besteht Verblutungsgefahr!

 

Wunden

Bei der Versorgung von Wunden haben starke Blutungen, bzw. schwere Allgemeinstörungen wie Bewußtseinstrübung vorrang! Liegen sie nicht vor, kann die Wunde gesäubert werden mit einem Wattestäbchen und Wasserstoffsuperoxydlösung. Fremdkörper mit einer sauberen Pinzette entfernen. Verklebte Federn vorsichtig auseinanderzupfen. Desinfektion mit Jodtinktur.

Größere bzw. tiefere Wunden müssen immer tierärztlich behandelt werden!

Besonderes Augenmerk bei Wunden an Flügeln und Beinen richten! Hier kann auch ein offener Bruch vorliegen, was tierärztlich abgeklärt werden muß.

 

Verletzungen durch Raubtiere und Greifvögel

Hier muss auf jeden Fall ein Tierarzt konsultiert werden, denn das Infektionsrisiko ist zu hoch und muss mittels einer Antibiose behandelt werden. (siehe auch Kapitel Wunden)

Verletzungen der Gliedmaßen sind erkennbar daran, dass der Vogel assymetrisch erscheint: z.B. ein Flügel hängt oder steht ab, ein Bein wird nicht oder kaum belastet, sowie an Verdickungen, Verfärbungen und Funktionsverlust.

Zur Abklärung ist ein Tierarzt aufzusuchen.

 

Überhitzung

z.B. nach Verfliegen auf heiße Dachböden oder Gewächshäuser. Der Vogel ist bewusstseinsgetrübt, keucht, atmet mit weit geöffnetem Schnabel, die Schwingen werden vom Körper angespreizt, er ist apathisch und schwach.

Den Vogel vorsichtig an einen kühlen Ort bringen, eventuell mit einer Blumenspritze (sauberes Wasser!) besprühen. Wasser tropfenweise an den Schnabelrand geben. An einem ruhigen, kühleren und dunklen Ort erholen lassen.

 

Unterkühlung

z.B. durchnässt nach einem Unwetter

Das Tier ist schwach, zittert, plustert stark sein Gefieder auf. Den Patienten langsam erwärmen, z.B. durch eine mit warmem Wasser gefüllte Wärmeflasche. Den Vogel nicht direkt auf die Heizquelle setzen, immer ein dickes Handtuch drunter legen.

Geht es ihm besser, wird er wieder munter und das Gefieder glatter.

 

Verbrennungen

Betroffene Partie sofort unter kaltes Wasser halten, eventuell lokal Eiswürfel auflegen, aber nicht länger als max. 20 Minuten. Sind Wunden entstanden, diese sofort von einem Tierarzt behandeln lassen.

 

Verätzungen und Verschmutzungen

Soviel wie möglich von der Substanz entfernen. Ist die verursachende Substanz bekannt (wasserlöslich, fettlöslich?) mit fließendem Wasser abspülen, eventuell unter Zugabe von Spülmittel. Hartnäckige Fette zuerst mit Salatöl anlösen. Abwechselnd waschen und wieder einölen.

Das letzte Bad muss immer mit klarem Wasser erfolgen. Nicht zu reinigende Federn ggf. vom Tierarzt entfernen lassen.

Achtung: die Vogelhaut ist sehr dünn und resorbiert schnell. Daher können allgemeine Vergiftungserscheinungen auftreten. Hier ist der Tierarzt aufzusuchen, Quelle der Vergiftung mitnehmen.

 

Sie haben einen verletzten, verwaisten oder kranken Wildvogel gefunden? Oder Sie haben einen Wildvogel in  einer Notsituation beobachtet?

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In besonders dringenden Fällen können Sie uns telefonisch in der Wildvogelauffangstation erreichen:

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Bitte denken Sie daran, dass besonders in den Hochzeiten im Sommer das Telefon nicht immer besetzt sein kann.

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